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Situation junger Mütter bei den Kindergartenplätzen nach wie vor dramatisch

22 Februar 2014 von Richard Zietz

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Die von Bundesregierung und Landesregierung versprochene Verbesserung der Versorgung von Kleinkindern und Kindern mit Kindergartenplätzen ist in Bergisch Gladbach kaum zu spüren. Auch Bürgermeister Lutz Urbach und die CDU versprachen in ihren Wahlprogrammen zur Kommunalwahl 2009 vollmundig:
Zitat CDU: „Bergisch Gladbach soll kinder- und familienfreundlichste Stadt in NRW werden.“
Zitat Lutz Urbach: „Mein Ziel ist die Beitragsfreiheit der Eltern für alle Kindergarten-Jahre.“
Umgesetzt wurde davon leider offensichtlich garnichts.

Auf unsere Anfrage bei der Stadtverwaltung erhielten wir die Antwort: „Bergisch Gladbach hat bei den U3-Kindern einen Abdeckungsgrad von knapp 38 % erreicht, bei den Ü3-Kindern sind es 98,8 %. Besonders hoher Bedarf besteht im Bereich Bensberg/Refrath.“ Es fehlen Schätzungen zufolge mindestens 70 Plätze. Das ist nicht nur für ebenso viele Familien eine Katastrophe. Für viele Frauen macht die Lage den Kinderwunsch unmöglich, weil sie nicht mehr zeitnah in den Beruf und in ihr Unternehmen zurückkehren könnten.

Wir erhalten in der Redaktion Briefe von Müttern, die berichten, wie katastrophal die Lage in Bergisch Gladbach ist. Eine Mutter aus Moitzfeld erzählte uns ihre Geschichte. Sie ist symptomatisch für die familienunwürdige Situation in unserer Stadt:

Im Einzelnen schreibt sie uns: „Wir haben unseren Sohn vor über 1,5 Jahren (kurz nach seiner Geburt) in diversen Kindertagesstätten angemeldet, die er als U3-Kind ab August 2014 besuchen sollte. In allen fünf Einrichtungen haben wir nun aber Absagen bekommen. Die Ironie an der Sache: man bekommt gar keine Absagen – entweder man bekommt eine Zusage oder man hört gar nichts von den Kitas, was wiederum ein Unding ist, denn jede Kita hat ihre eigenen Termine für die Versendungen der Zusagen und da man nicht bei allen wissen kann wann das ist, muss man quasi allen hinterher telefonieren und bekommt dann entweder ein genervtes ‚da müssen Sie sich schon noch gedulden‘ oder ein ’schon lange erledigt‘. Und nun sitze ich da und weiss nicht weiter.

Von der Stadtverwaltung in Bergisch Gladbach wurde diese Mutter hingehalten und vertröstet: „Heute Mittag konnte ich doch jemanden vom Jugendamt erreichen, aber man weigerte sich mir weiterzuhelfen. Ich solle bis Ende März warten und wenn ich dann noch nichts gehört hätte von den Kitas (O-Ton Jugendamt: es tut sich noch wahnsinnig viel bis Ende März), dann dürfe ich mich gerne in der ersten April Woche wieder melden, damit man dann meine Daten aufnehmen und gucken kann, wo noch Plätze frei seien.“

Die meisten Familien sind heute darauf angewiesen, dass beide Elternteile arbeiten gehen, schon alleine vor dem Risiko der Arbeitslosigkeit. Alleinerziehende sind sowieso auf eine Beschäftigung angewiesen. Hinter jedem Arbeitsverhältnis steht ferner auch ein Arbeitgeber, den die katastrophale Situation in der Stadt genauso belastet.

Die genannte Mutter schreibt uns weiter: „Das ‚Dramatische‘ an dieser ganzen Situation: Mein ehemaliger Arbeitgeber hat mich kurzerhand nach der Elternzeit rausgeschmissen, weil man keine Verwendung mehr für mich hatte (meine Stelle wurde in meiner Abwesenheit familiär in Vollzeit neu besetzt und man konnte/wollte mir keine Teilzeitstelle ermöglichen). Und als Mutter (darauf weisen alle Arbeitgeber immer wieder hin) eine neue Arbeitsstelle in Teilzeit zu finden ist eh schon eine Krux – dann aber auch noch ohne einen Kita-Platz … ein Desaster. Unser Sohn könnte zwar sofort familiär betreut werden – allerdings wäre dies nur eine kurzfristige Übergangslösung – umso wichtiger wäre ein Kita-Platz.“

So betreibt es die Stadt also weiter, dass die Gleichstellung von Frauen und Männer nicht funktionieren kann. Trotz allen Geredes um die Frauenquote bleiben Mütter unmittelbar benachteiligt. Die Kommunalpolitik trägt dazu unmittelbar bei, dass unsere Gesellschaft  rückläufige Geburtenzahlen aufweist.

kita

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