Archiv | Januar 7th, 2015

Occupy-Aktivisten „zu Besuch“ bei Kögida-Kundgebung

07 Januar 2015 von Dirk Sonntag

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Am Montag, den 5. Januar blockierten Gegendemonstrationen, organisiert von Arsch Huh und vielen anderen, die KÖGIDA-„Spaziergänger“ in Köln. Lichter, u. a. vom Kölner Dom,  gingen aus. Eine Gruppe vermummter Jugendlicher glaubte, sicherlich nicht in friedlicher Absicht, die KÖGIDA-Versammlung „stürmen“ zu müssen, wurde aber von der Polizei daran gehindert. Eine intelligentere, wenn auch nicht ungefährliche Aktion machte eine kleine Gruppe von occupy-AktivistInnen, indem sie auf die KÖGIDA-Kundgebung am Vorplatz des Deutzer Bahnhofs ging und deren TeilnehmerInnen mit friedlichen Parolen „konfrontierte“.

Leider war diese Aktion zu kurzfristig angesetzt und eine Absprache für eine professionelle Begleitung, um diese Aktion in Form von Fotos und Video zu dokumentieren, kam nicht mehr zustande. Die Aktivisten sind der Redaktion bekannt. Hier ist ihr Bericht:

Wir wollten wissen, was das für Leute sind, die bei KÖGIDA also „Köln gegen die Islamisierung des Abendlandes“ demonstrieren. Deshalb haben ein paar von uns auch die KÖGIDA Demonstration direkt „besucht“. Als eine Occupy Aktivistin Straßenkreide auspackte und anfing zu schreiben, sind wir auch sehr schnell ins Gespräch gekommen. Man wollte freundlich, aber bestimmt wissen, was denn da geschrieben würde. Als wir sagten, es würde am Ende heißen „WIR SIND ALLE EINS“, war man irritiert. Aber man ließ uns gewähren. Da die Occupy Aktivistin ziemlich grosse Buchstaben verwendete, dauerte es etwas bis das Statement vollendet war und wir hatten Gelegenheit uns weiter mit Kögida-Anhängern zu unterhalten. Dabei haben wir festgestellt, dass unsere Hauptgesprächspartnerin die Kunst der Gesprächsführung beherrschte. Zuerst meinte sie, dass die Aussage grammatikalisch nicht korrekt wäre und man ihr das glauben könnte, da sie von Beruf Lehrerin wäre. Als die schreibende Aktivisten sagte, dass sie auch von Beruf Lehrerin ist und nicht der Meinung ist, dass es falsch ist und auch begründete, war die Sache erledigt. Dann schrieben wir mit der Kreide: „WE ARE ALL ONE!“ Wobei der Punkt des Ausrufezeichen als Herz gezeichnet war, siehe Foto(*). Und noch einmal auf Kölsch: „MER SIN ALL EENS!“ Mittlerweile waren denn doch einige Augen und Kameras auf uns gerichtet und bei denen, die uns beobachteten, kam Unruhe auf. Wir waren inzwischen in der Diskussion bei der Frage, ob der Islam als Sündenbock auszumachen sei, dass im sozialen Bereich gespart wird. Oder ob wir weniger im Portemonnaie haben, weil eine neoliberale Umverteilung von unten nach oben stattfindet. Allgemeine Unsicherheit schien darüber zu bestehen, ob „der Islam“ bzw IS uns in Deutschland bedroht. Die KÖGIDA-„Alphafrau“ war der Meinung, dass es in Deutschland über hunderttausend Islamisten gäbe, die eine potentielle Gefahr für uns darstellten. Ich entgegnete, das ich diese Behauptung für ebenso übertrieben halte, wie „Köln gegen die Islamisierung des Abendlandes“ und schrieb mit Kreide auf eine Mauer „BIRLIKTE“ und erklärte den Neugierigen um uns herum, dass es türkisch sei und auf deutsch „ZUSAMMENSTEHEN“ bedeutet. Und ich damit ausdrücken möchte, dass wir alle zusammenstehen sollten gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Das fand man dann nicht so lustig und wir haben beschlossen die KÖGIDA zu verlassen.

(*) Ein Foto der Straßenmalerei ist auf der Fotogalerie des Fotografen Udo Gottschalk im Kölner Express zu sehen (Bild 3).

occupycologne

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