Region liegt deutlich über dem Bundesschnitt – Verbände fordern schnelle staatliche Förderung für Haus- und Wohnungskauf

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Hohe Eigentumsquote im Kreis
Im Rheinisch-Bergischen Kreis leben ungewöhnlich viele Menschen mietfrei in den eigenen vier Wänden. Rund 70.300 Wohnungen werden von ihren Eigentümern selbst genutzt, darunter sowohl Einfamilienhäuser als auch Eigentumswohnungen. Etwa 26 Prozent der Eigentümer wohnen in einer Eigentumswohnung.
Das geht aus einer regionalen Wohnungsmarktanalyse des Pestel-Instituts hervor, die im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt wurde. Demnach liegt die Wohneigentumsquote im Kreis bei 50,5 Prozent – deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 43,5 Prozent.
„Deutschland ist insgesamt ein Mieter-Land und landet im europäischen Vergleich beim Wohneigentum nur auf dem vorletzten Platz“, erklärt Pestel-Ökonom Matthias Günther.
Junge Erwachsene können sich Eigentum kaum leisten
Trotz der vergleichsweise hohen Quote verschärft sich die Lage für jüngere Menschen. Besonders betroffen sind die 25- bis 40-Jährigen – rund 49.500 Menschen in dieser Altersgruppe leben im Rheinisch-Bergischen Kreis.
Nach Einschätzung der Wissenschaftler können sich immer weniger von ihnen ein Haus oder eine Eigentumswohnung leisten.
„Die eigenen vier Wände stehen zwar weiterhin ganz oben auf der Wunschliste. Doch die klassische Nestbauer-Generation ist beim Wohneigentum zur Verlierer-Generation geworden“, sagt Günther. Viele seien gezwungen, dauerhaft zur Miete zu wohnen.
Kritik an abgeschafften Förderprogrammen
Der Baustoff-Fachhandel macht fehlende staatliche Unterstützung verantwortlich.
„Mit dem Ende von Eigenheimzulage und Baukindergeld wurde die effektive Förderung praktisch eingestellt“, kritisiert BDB-Präsidentin Katharina Metzger.
Die Verbände fordern deshalb ein neues Förderprogramm:
- direkte Zuschüsse als Startkapital für Erstkäufer
- ein staatliches Niedrigzinsprogramm
- einfacher Zugang auch mit wenig Eigenkapital
- möglichst unbürokratische Beantragung
Wer Eigentum erwerben wolle, müsse zwar über Jahre finanzielle Abstriche machen, betont Metzger. Dafür entstehe langfristig mietfreies Wohnen.
Planungssicherheit gefordert
Auch die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) verlangt langfristige Zusagen vom Staat.
„Es braucht eine Marathon- und keine Sprint-Förderung. Wer heute spart, muss sich auch in mehreren Jahren noch auf die Unterstützung verlassen können“, sagt DGfM-Vorsitzender Hannes Zapf.
Die Verbände appellieren an Bundestagsabgeordnete aus Nordrhein-Westfalen, die im Koalitionsvertrag angekündigte Förderung rasch umzusetzen. Ohne klare Signale bleibe der Traum vom Eigenheim für viele auf Eis.
Bedeutung fürs Alter
Neben der aktuellen Wohnungsfrage sehen Experten auch soziale Folgen im Alter. Eigentum wirke wie eine zusätzliche Altersvorsorge.
„Wohnarmut im Alter ist vor allem Mieterarmut“, so Pestel-Ökonom Günther. Besonders bei den in Rente gehenden Baby-Boomern zeige sich: Sinkendes Einkommen bei gleichzeitig steigenden Mieten könne zu finanziellen Problemen führen. Eigentümer kämen deutlich besser über die Runden.
Fazit:
Der Rheinisch-Bergische Kreis gehört zwar zu den Regionen mit überdurchschnittlich viel Wohneigentum. Doch gerade junge Erwachsene verlieren zunehmend den Zugang zum Immobilienmarkt. Verbände warnen vor langfristigen sozialen Folgen – und drängen auf schnelle staatliche Förderung, damit der Traum vom Eigenheim nicht zur Ausnahme wird.





