Ein ungewöhnlicher Diebstahl sorgt an der Universität zu Köln derzeit für Rätsel und Ermittlungen: Aus der anatomischen Sammlung des Zentrums für Anatomie ist ein menschlicher Schädel verschwunden. Besonders brisant – die Gebeine sollten nur Stunden später feierlich an Angehörige aus Australien übergeben werden.

Symbolbild
Für Rückführung nach Australien vorbereitet – dann spurlos weg
Der Schädel stammt von einem indigenen Menschen aus Australien und war bereits sorgfältig verpackt und für die Reise in die Heimat vorgesehen. Er befand sich in einem abgeschlossenen Raum im Präparationslabor des Anatomiezentrums, gesichert in einem speziellen Aufbewahrungsbehälter.
Als Mitarbeiter jedoch kurz vor der geplanten Übergabe die Schädel überprüften, wurde der Schock deutlich: Einer der drei vorgesehenen Schädel war verschwunden – an seiner Stelle lag ein anderes Präparat. Für die Verantwortlichen liegt der Verdacht eines gezielten Diebstahls nahe. Die Universität hat Anzeige erstattet, die Polizei ermittelt.
Angehörige extra angereist
Für die Übergabe waren Vertreter australischer First Nations nach Köln gereist. Zwei Schädel konnten wie geplant überreicht und für eine spätere Rückführung vorbereitet werden – beim dritten verhinderten die Ereignisse die feierliche Rückgabe. Die Universitätsleitung bedauerte den Vorfall und entschuldigte sich bei den Gästen.
Seltene Fälle – Provenienzforschung seit Jahren aktiv
An der Universität läuft seit 2021 ein Forschungsprojekt zur Herkunft und Rückführung menschlicher Überreste aus historischen Beständen. Fälle von Diebstahl seien äußerst selten, erklärte die Hochschule. Der letzte vergleichbare Vorfall liege Jahrzehnte zurück.
Nun hofft man auf Hinweise, die zur Aufklärung beitragen – und darauf, dass der verschwundene Schädel zeitnah gefunden und zurückgeführt werden kann.





