Nach drei Jahren Pause ist der queere Weihnachtsmarkt „Heavenue Cologne“ wieder auf dem Kölner Friesenplatz eröffnet worden. Schon am frühen Abend herrscht reger Betrieb rund um die bunt beleuchteten Hütten, aus denen die typischen Düfte von Glühwein, Zimt und gebrannten Mandeln strömen. Die Atmosphäre unterscheidet sich deutlich von klassischen Weihnachtsmärkten: Der Ort soll nicht nur ein Treffpunkt für die queere Community sein, sondern auch Schutz bieten und Raum für Begegnung schaffen.

Symbolbild
Ein Ort des Ankommens
Für viele Besucherinnen und Besucher bedeutet der Markt mehr als ein stimmungsvolles Adventserlebnis. So nutzt eine junge Trans-Frau aus Afghanistan ihren ersten Besuch auf einem deutschen Weihnachtsmarkt, um ein Stück Normalität und Sicherheit zu spüren – etwas, das ihr in ihrer Heimat aufgrund der politischen Lage und strikten gesellschaftlichen Normen lange verwehrt blieb. Der farbenfrohe Markt, die Lichter und die Offenheit der Menschen vermitteln ihr ein starkes Gefühl des Ankommens.
Vertraut – und doch anders
Gleichzeitig fällt langjährigen Besucherinnen und Besuchern auf, dass sich der Markt gegenüber früheren Jahren verändert hat. Während der einstige Standort auf der Schaafenstraße stärker als Schutz- und Gemeinschaftsort wahrgenommen wurde, wirkt der Markt am Friesenplatz offener und durchmischter. Das queere Profil ist vorhanden, jedoch nicht mehr so dominant sichtbar wie früher. Manche empfinden diese Entwicklung als Gewinn an Vielfalt, andere als Verlust eines klar erkennbaren „Safe Spaces“.
Bedeutend in Zeiten wachsender Feindlichkeit
Angesichts zunehmender queerfeindlicher Übergriffe in vielen Städten sehen zahlreiche Menschen die Rückkehr der „Heavenue“ als wichtiges Zeichen. Orte dieser Art machen deutlich, wie notwendig Räume sind, in denen queere Menschen ohne Angst sie selbst sein können – unabhängig davon, ob sie seit Jahren in Köln leben oder gerade erst in Deutschland angekommen sind.
Zwischen Glitzer, Gemeinschaft und neuen Perspektiven
Der Markt präsentiert sich mit farbenfrohen Hütten, Lichtinstallationen, einem Glühweinhaus, vielfältigen Streetfood-Angeboten, veganen Snacks und kreativen Getränken. Auch wenn nicht jedes Detail queere Symbolik trägt, entsteht eine besondere Mischung aus festlicher Atmosphäre, Gemeinschaft und offenen Begegnungen.
Für einige Besucherinnen und Besucher ist der Markt ein Stück wiedergefundene Heimat, für andere ein erster Schritt in eine neue Lebensrealität. Gemeinsam erleben sie einen Ort, an dem Vielfalt sichtbar und Gemeinschaft spürbar wird – ein Zeichen für Zusammenhalt in einer Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen wachsen.





