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Wasserwirtschaft für die Zukunft rüsten

29 Januar 2026 von Felix Morgenstern

Wupperverband investiert massiv in Infrastruktur, Klimaanpassung und Gewässerschutz

Wuppertal. Die Herausforderungen für die Wasserwirtschaft wachsen – durch den Klimawandel, steigende Anforderungen an Infrastruktur und den Schutz der Umwelt. Der Wupperverband stellt sich diesen Aufgaben mit einem umfangreichen Investitions- und Maßnahmenprogramm. Beim Jahresauftakt-Pressegespräch am 28. Januar in Wuppertal gaben Vorstand Ingo Noppen und sein ständiger Vertreter Thomas Klein einen Ausblick auf die Projekte und Schwerpunkte der kommenden Jahre.

Symbolbild

„In 2026 und den Folgejahren stehen zahlreiche Bau- und Entwicklungsprojekte an unseren Anlagen an – von Kläranlagen und Talsperren bis hin zu Gewässern“, erklärte Vorstand Ingo Noppen. Ziel sei es, die Infrastruktur zukunftsfest auszurichten und gleichzeitig Daseinsvorsorge sowie Umweltschutz langfristig zu sichern. Themen wie Klimafolgenanpassung, Energiemanagement, Digitalisierung, Fachkräftegewinnung und Cybersicherheit spielten dabei eine zentrale Rolle.

600 Millionen Euro für die Siedlungswasserwirtschaft

Einen Schwerpunkt bildet die Weiterentwicklung der Siedlungswasserwirtschaft. Bis 2032 plant der Wupperverband Investitionen in Höhe von rund 600 Millionen Euro für seine Abwasseranlagen. Dazu zählen 11 Kläranlagen, eine Schlammverbrennungsanlage sowie Abwassersammler und Regenbecken. Ziel ist es, die Anlagen zu modernisieren, Verfahrenstechnik an neue Anforderungen anzupassen und die Energieeffizienz weiter zu steigern.

Zu den größten Einzelprojekten gehört der Neubau einer innovativen Kläranlage in Leverkusen, deren erster Bauabschnitt – vorbehaltlich einer zügigen Genehmigung – noch in diesem Jahr beginnen soll. Ebenfalls im Fokus steht der bereits gestartete Neubau der Klärschlammverbrennungsanlage am Standort Wuppertal-Buchenhofen durch die öffentlich-rechtlichen Partner der KVB. Für die Sanierung der Kläranlage Wermelskirchen liegt die Genehmigung bereits vor, der Baustart wird für das Frühjahr erwartet.

Digitalisierung stärkt Sicherheit und Effizienz

Parallel dazu treibt der Wupperverband die Digitalisierung voran. Ein zentrales Projekt ist die Vereinheitlichung der Prozessleittechnik an allen Anlagen. Dabei stehen insbesondere die Betriebssicherheit, die Verfügbarkeit der Systeme und der Schutz sensibler Daten im Vordergrund. Durch eine moderne, automatisierte und interoperable Steuerung sollen Prozesse effizienter gestaltet, komplexe Abläufe besser überwacht und Betriebsdaten gezielt für Analysen und Entscheidungen genutzt werden.

Die Trinkwassertalsperren – Große Dhünn-, Kerspe- und Herbringhauser Talsperre – arbeiten bereits mit dem neuen System. An den Kläranlagen wurde die Umstellung in Odenthal abgeschlossen, weitere Standorte folgen.

Bauprojekte an der Bever-Talsperre

Auch im Talsperrenbereich stehen wichtige Maßnahmen an. An der Bever-Talsperre, der zweitgrößten Brauchwassertalsperre des Verbands, wird unter anderem die Entwässerung an der Luftseite des Staudamms optimiert. Der Baubeginn ist für den Sommer 2026 geplant. Bereits in diesem Jahr starten die Arbeiten an einem neuen Betriebsgebäude, das künftig sowohl der Betriebsmannschaft als auch zwei Instandhaltungsteams Platz bieten wird.

Mehr Raum für Natur und Menschen

Ein weiteres zentrales Aufgabenfeld bleibt die naturnahe Entwicklung der Gewässer. Durch Aufweitungen, Strukturverbesserungen und gezielte Bepflanzungen sollen Flüsse und Bäche ökologisch aufgewertet werden. An der oberen Wupper in Wipperfürth sind für den Sommer 2026 mehrere Maßnahmen geplant, die auch durch Beschattung zur Verbesserung des Gewässerklimas beitragen.

In Wuppertal beginnt mit dem Abschnitt Hardtufer der letzte große Baustein zur Umgestaltung der Wupper zu einem naturnahen Stadtfluss. Nach Abschluss des Projekts im Jahr 2027 werden gemeinsam mit der Stadt Wuppertal und weiteren Partnern rund 15 Kilometer Stadtfluss ökologisch aufgewertet sein – mit positiven Effekten für Artenvielfalt und Aufenthaltsqualität.

Zukunftsprogramm Hochwasserschutz

Mit dem Zukunftsprogramm Hochwasserschutz reagiert der Wupperverband auf zunehmende Extremereignisse wie Hochwasser und Dürre. Rund 200 Maßnahmen sind gemeinsam mit den Mitgliedskommunen geplant, die Umsetzung wird sich über mindestens 20 Jahre erstrecken und Investitionen von bis zu 250 Millionen Euro erfordern. Voraussetzung dafür sind entsprechende Fördermittel des Landes NRW.

Bereits 21 Projekte sind abgeschlossen, 46 weitere befinden sich in Bearbeitung – darunter neue Mess- und Warnsysteme, Sanierungen von Hochwasserrückhaltebecken, Uferschutzmaßnahmen sowie Forschungsprojekte wie das Bergische Hochwassermeldesystem HWS 4.0. In diesem Jahr stehen unter anderem Sanierungen in Schwelm und Wuppertal sowie Planungen für den Ophovener Weiher in Leverkusen an.

Flexible Bewirtschaftung der Talsperren

Auch das Talsperrenmanagement bleibt anspruchsvoll. Nach dem intensiven Dürremanagement im vergangenen Jahr liegen die aktuellen Füllstände unter dem Durchschnitt. Entscheidend für eine Erholung seien die Niederschläge bis zum Frühjahr. Durch eine flexible Bewirtschaftung reagiert der Verband auf wechselnde klimatische Bedingungen – von vorsorglichem Rückhalt bei Hochwassergefahr bis hin zu reduzierten Abgaben bei Niedrigwasser.

Mit diesen Maßnahmen verfolgt der Wupperverband ein klares Ziel: die Wasserwirtschaft im Wuppergebiet resilient, leistungsfähig und nachhaltig für die kommenden Jahrzehnte aufzustellen.

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