IG BAU warnt vor Wohnungsnot für Azubis und wachsender Wohnarmut im Alter im Rheinisch-Bergischen Kreis
Rheinisch-Bergischer Kreis. Steigende Mieten und ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum treffen im Rheinisch-Bergischen Kreis vor allem zwei Gruppen besonders hart: junge Menschen am Start ins Berufsleben und ältere Menschen im Ruhestand. Darauf macht die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) aufmerksam.

Symbolbild
Nach Angaben der IG BAU Köln-Bonn leben rund 3.510 Auszubildende im Kreisgebiet noch bei ihren Eltern – häufig nicht aus freien Stücken. „Viele Azubis können sich eine eigene Wohnung oder auch nur ein WG-Zimmer schlicht nicht leisten“, sagt Mehmet Perisan, Bezirksvorsitzender der IG BAU Köln-Bonn. Das zeige der aktuelle „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Institut, den die Gewerkschaft mit in Auftrag gegeben hat.
Wenn Ausbildung an Wohnkosten scheitert
Besonders problematisch sei, so Perisan, wenn fehlender Wohnraum dazu führt, dass Ausbildungsverträge gar nicht erst zustande kommen. „Es ist tragisch, wenn junge Menschen eine Ausbildung nicht beginnen können, weil sie keine bezahlbare Wohnung in der Nähe des Betriebs finden“, warnt er. Das sei nicht nur ein soziales Problem, sondern schade auch der regionalen Wirtschaft.
Die IG BAU fordert deshalb gezielte Förderprogramme von Bund und Land Nordrhein-Westfalen für den Bau von Azubi-Wohnungen – insbesondere in der Nähe von Ausbildungszentren. Auch steuerliche Anreize für Betriebe, die Wohnraum für ihre Auszubildenden schaffen, hält Perisan für sinnvoll. Ähnlichen Handlungsbedarf sieht die Gewerkschaft bei Studierenden und spricht sich für eine stärkere Förderung von Studentenwohnungen in Universitätsstädten aus.
Warnung vor Wohnarmut im Alter
Neben jungen Menschen geraten nach Einschätzung der IG BAU auch ältere Bürgerinnen und Bürger zunehmend unter Druck. Besonders betroffen seien die sogenannten Baby-Boomer: Rund 39.700 Menschen dieser Generation leben im Rheinisch-Bergischer Kreis. Nach Berechnungen des Pestel-Instituts werden sie bis 2035 vollständig in Rente sein.
„Viele von ihnen erhalten nur eine niedrige Rente, weil sie Phasen der Arbeitslosigkeit erlebt oder über Jahre hinweg für geringe Löhne gearbeitet haben“, erklärt Perisan. Steigende Mieten könnten dazu führen, dass sich viele ihre bisherige Wohnung im Alter kaum noch leisten können. „Sie wohnen sich regelrecht arm“, so der Gewerkschafter.
Mehr Sozialwohnungen als Schlüssel
Angesichts weiter steigender Mieten warnt die IG BAU vor einer zusätzlichen Verschärfung der Lage auf dem Wohnungsmarkt. „Mieten kennen seit Jahren nur eine Richtung – nach oben. Das muss sich ändern“, fordert Perisan. Ein entscheidender Hebel sei der massive Ausbau des sozialen Wohnungsbaus.
Der „Soziale Wohn-Monitor“ des Pestel-Instituts nennt hierfür eine klare Zielmarke: Die Zahl der Sozialwohnungen in Deutschland müsse bis Mitte des kommenden Jahrzehnts von derzeit rund einer Million auf zwei Millionen steigen. Für Nordrhein-Westfalen bedeute das konkret, bis 2035 insgesamt 454.900 Sozialwohnungen bereitzustellen – rund 17.900 neue Sozialwohnungen pro Jahr.
Um dieses Ziel zu erreichen, seien erhebliche Fördermittel von Bund und Land notwendig. „Die Gelder müssen zu Baubeginn vollständig zur Verfügung stehen und dürfen nicht über Jahre gestreckt werden“, fordert Perisan. Gleichzeitig könne der Baustandard „Erleichtertes Bauen“ helfen, Kosten zu senken und mit gleichen Mitteln mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen – ohne Abstriche bei Qualität und Nachhaltigkeit.
Darüber hinaus plädiert die IG BAU für mehr Transparenz: Eine öffentliche Statistik solle monatlich erfassen, wo und in welchem Umfang neue Sozialwohnungen in Nordrhein-Westfalen entstehen. „Nur so lässt sich erkennen, ob die Politik ihre Ziele tatsächlich erreicht“, so Perisan.





