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Gegen das Vergessen: Stolpersteine für Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow verlegt

13 Juni 2026 von Darian Lambert

Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums setzen Zeichen für lebendige Erinnerungskultur und decken ungelöste NS-Verbrechen in Bensberg auf

Mit der feierlichen Verlegung zweier Stolpersteine vor der Schloßstraße 46–50 wird seit dem heutigen Freitag dauerhaft an die ukrainischen Zwangsarbeiter Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow erinnert. Das bemerkenswerte Erinnerungsprojekt basiert auf der zweijährigen, intensiven Forschungsarbeit von Schülerinnen und Schülern des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) Bensberg, die im Stadtarchiv zudem auf die Spuren eines bislang unaufgeklärten Kriegsverbrechens stießen.

Die neu verlegten Stolpersteine markieren einen historischen Ort des Leidens: Während des Zweiten Weltkriegs befand sich an der Schloßstraße ein Lager für sogenannte „Ostarbeiter“. Die beiden jungen Ukrainer Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow wurden von den deutschen Besatzern aus ihrer Heimat verschleppt und zur Zwangsarbeit gezwungen. Nach dem aktuellen Stand der historischen Recherchen wurden sie im November 1944 von Köln nach Bensberg verlegt. Hier mussten sie für das örtliche Tiefbauamt unter anderem beim Bau von Verteidigungsanlagen schwerste körperliche Arbeit verrichten.

Schüler decken Ungereimtheiten im Stadtarchiv auf

Im Zuge ihrer Recherchen im Stadtarchiv Bergisch Gladbach stießen die Jugendlichen auf die Dokumentation eines erschütternden Ereignisses, das bis heute Fragen aufwirft. Laut dem amtlichen Sterbebuch wurden Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow am 22. März 1945 – nur wenige Wochen vor dem Ende des Nationalsozialismus – im Schlosspark Bensberg erschossen. Da zahlreiche Originaldokumente zum Tathergang in den Wirren der Nachkriegszeit verschwanden oder gezielt vernichtet wurden, blieben zentrale Fragen zu den genauen Umständen jahrzehntelang ungeklärt.

Die Schülerinnen und Schüler gaben sich mit den bestehenden Lücken nicht zufrieden. Sie weiteten ihre Nachforschungen auf Unterlagen des Bundesarchivs sowie des NS-Dokumentationszentrums Köln aus und hinterfragten die bislang in der Lokalgeschichte verbreitete Darstellung. Diese stützte sich maßgeblich auf ein einzelnes Dokument aus dem Jahr 1948. Bei der Quellenanalyse entdeckte das Projektteam eine bislang kaum beachtete Zeugenaussage des damaligen Zwangsarbeiters Semjon Gryzak. Seine Schilderungen werfen ein völlig neues Licht auf den Ablauf der Geschehnisse und werfen dringende neue Fragen bezüglich der verantwortlichen Täter auf.

Ausstellung und breites öffentliches Interesse

Direkt im Anschluss an die Verlegung präsentierten die Schüler im Otto-Hahn-Gymnasium eine eigens erarbeitete Ausstellung zu ihren Ergebnissen. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger sowie geladene Gäste nutzten die Gelegenheit, sich tiefgehend über die Biografien der beiden jungen Männer sowie über die Rolle des Schlosses Bensberg während der NS-Diktatur zu informieren.

Das Projekt reiht sich nahtlos in das langjährige, erfolgreiche Engagement der Schule für die lokale Geschichtsarbeit ein. Bereits im Jahr 2024 wurde der zuständige Projektkurs mit dem Heimatpreis der Stadt Bergisch Gladbach ausgezeichnet. Im darauffolgenden Jahr 2025 setzten die Jugendlichen mit der Errichtung zweier Informationsstelen im Schlosspark ein weiteres sichtbares Zeichen; diese erinnern seither an die Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NAPOLA) Bensberg sowie an das dortige Außenlager des KZ Buchenwald.

Die neuen Stolpersteine in der Schloßstraße leisten nun einen weiteren, unschätzbaren Beitrag zur Erinnerungskultur vor Ort. Sie holen das Schicksal von Konstantin Wladimirow und Walery Winogradow aus der Anonymität und führen den Passanten täglich vor Augen, dass nationalsozialistische Gewalt und Willkür kein fernes Phänomen waren, sondern mitten im Herzen von Bensberg stattfanden.

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