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Kinder müssen weichen, die Szene bleibt: Stadt gibt Spielplatz am Quirlsberg auf

16 Juli 2026 von Darian Lambert

Bürgerpartei GL kritisiert die Rückbau-Pläne scharf – auch Einzelratsmitglied Dr. Benno Nuding dagegen

Der Kinderspielplatz am Quirlsberg wird aufgegeben. Das hat die Stadtverwaltung den Fraktionen und Gruppen des Stadtrates am 15. Juli 2026 in einem kurzfristig anberaumten interfraktionellen Austausch mitgeteilt. Die Spielgeräte sollen zeitnah zurückgebaut werden; erhalten bleiben lediglich der angrenzende Bolzplatz als Sportfläche sowie die Parkanlage mit Sitzbänken. Die Ratsgruppe Bürgerpartei GL hat dem Vorhaben in dem Gespräch widersprochen – ebenso das Einzelratsmitglied Dr. Benno Nuding.

Symbolbild

Spritzen im Sandkasten, Crackpfeifen auf der Tischtennisplatte

Der Spielplatz liegt mitten in der Innenstadt, nur rund 50 Meter vom sogenannten „Zweitplatz“ an der Schnabelsmühle entfernt, zu dem die Verwaltung als Aufenthaltsort der Drogen- und Obdachlosenszene ausdrücklich steht. Die Folgen schilderte die Verwaltung (Fachbereich 8 – Immobilien, Liegenschaften und Stadtgrün, gemeinsam mit Fachbereich 5 – Jugend & Soziales) in dem Austausch selbst in drastischen Bildern: Scherben, Spritzen, Crackpfeifen und Drogenabfälle auf der Spielfläche, menschliche und tierische Fäkalien im Spielsand, zerstörte Spielgeräte, improvisierte Schlaflager – und das seit Monaten, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sicheres Spielen sei nicht mehr gewährleistet, selbst städtische Mitarbeitende seien gefährdet.

Dabei hat die Stadt nach eigenen Angaben erheblich gegengehalten: rund fünfzehnfacher Personaleinsatz bei Kontrolle und Unterhaltung des Spielplatzes durch StadtGrün, rund fünffacher Aufwand bei der Umfeldreinigung durch die GL Service gGmbH, dazu Einsätze von Ordnungsamt, Polizei und aufsuchender Sozialarbeit – nach eigener Bewertung der Verwaltung „ohne nennenswerten Erfolg“. Das Ergebnis ist ein Trümmerfeld: Die Tischtennisplatte ist durch Crackpfeifen dauerhaft verharzt, das barrierefreie Spielgerät, die große Schaukel und die Drehscheibe sind gesperrt, die große Kletterspinne ist reparaturbedürftig. Intakt ist allein der Balancier-Parcours.

Was die Stadt jetzt plant

Die Verwaltung will den Rückbau per Pressemitteilung öffentlich ankündigen und zeitnah umsetzen. Noch reparable Spielgeräte sollen an anderen Standorten wiederverwendet, die Sandflächen als Magerrasen angesät und in ein innerstädtisches Biotop umgewandelt werden. Der Bolzplatz bleibt bestehen, perspektivisch wird eine Ergänzung um ein Freizeitsportangebot wie Discgolf geprüft. Prävention und aufsuchende Sozialarbeit sollen sich künftig auf den neuen Gleispark konzentrieren, um eine Verlagerung der Szene dorthin zu verhindern. Die Auswirkungen auf den Spielwert der Innenstadt bewertet die Verwaltung als gering und verweist auf Angebote im Umkreis von 500 Metern – darunter der am 9. Mai eröffnete Gleispark, der Forumpark, der Buchmühlenpark, der Spielpunkt Hauptstraße und die Paul-Ehrlich-Straße. Eine Befassung der Ratsgremien sieht der vorgestellte Fahrplan nicht vor.

Bürgerpartei GL: „Wer schaukeln will, muss gehen – wer Spritzen hinterlässt, darf bleiben“

Für die Bürgerpartei GL ist der Rückbau die falsche Antwort auf ein reales Problem. „Hier findet ein Offenbarungseid statt: Junkies können in Bergisch Gladbach unbehelligt Familien und Kinder von einem Spielplatz verdrängen – und die Antwort der Stadt ist, die Schaukeln abzubauen statt das Problem zu lösen. Wer Crackpfeifen und Spritzen im Sandkasten hinterlässt, darf bleiben. Wer schaukeln will, muss gehen. Das ist ein verheerendes Signal an alle Familien in der Innenstadt“, so Frank Samirae, Vorsitzender der Ratsgruppe Bürgerpartei GL.

Die Verwaltung betont zwar, gesellschaftliche Randgruppen und die Bedarfe der Kinder nicht gegeneinander ausspielen zu wollen, und hält ausdrücklich am Zweitplatz an der Schnabelsmühle fest. Im Ergebnis geschieht aus Sicht der Bürgerpartei GL aber genau das: Die Szene behält ihren Platz, die Kinder verlieren ihren. Der Staat zieht sich von einer öffentlichen Fläche zurück, statt Sicherheit und Ordnung dort durchzusetzen, wo Familien sie brauchen. Wer sich an die Regeln hält, räumt das Feld – wer sie täglich bricht, bleibt unbehelligt.

Die Ratsgruppe Bürgerpartei GL wird den Vorgang weiter kritisch begleiten.

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