Köln – NRW-Innenminister Herbert Reul hat am Montag die Drogenszene am Kölner Neumarkt besucht und anschließend mit Bürgerinnen und Bürgern diskutiert. Sein Fazit fiel deutlich aus: Die Lage rund um den Drogenkonsumraum sei erschreckend und schwer in den Griff zu bekommen.

Symbolbild
Besuch im Drogen-Hotspot
Begleitet von Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Polizeipräsident Johannes Hermanns verschaffte sich Reul vor Ort ein Bild. Nicht weit entfernt warteten Abhängige vor dem Eingang des Drogenkonsumraums. Für viele Anwohner und Geschäftsleute ist die Situation seit Jahren ein Problem.
Daniel Niklas, Geschäftsführer eines nahegelegenen Sanitätshauses, schilderte beim Gespräch mit dem Minister seine Erfahrungen: „Es ist gut, dass jemand kommt und sich kümmert. Die Situation ist kaum noch beherrschbar.“ Er sprach von Streitigkeiten, Diebstählen und Vermüllung direkt vor den Haustüren.
„Keine einfachen Lösungen“
Reul betonte, er wolle nach einem kurzen Rundgang kein endgültiges Urteil fällen. Doch die Berichte hätten ihn erschreckt. „Es gibt keine einfachen Lösungen“, so der Innenminister. Ähnliche Probleme seien in vielen europäischen Städten zu beobachten.
Mit Blick auf Köln kritisierte er indirekt die politischen Verantwortlichen: „Ich weiß nicht, warum es so schwer ist, so etwas umzusetzen. Dafür braucht man stabile Mehrheiten – und die scheinen hier zu fehlen.“
Diskussion um neue Konzepte
Polizeipräsident Hermanns hatte bereits vorgeschlagen, einen weiteren Drogenkonsumraum in Köln-Kalk zu schaffen – direkt gegenüber dem Polizeipräsidium. Der Standort am Neumarkt sei ungeeignet. Zudem plädiert er dafür, die Abgabe von Drogen durch Ärzte zu ermöglichen, um die sogenannte Beschaffungskriminalität einzudämmen.
In Köln steckt diese Debatte noch in den Anfängen. Ein Blick in die Schweiz zeigt, wie es funktionieren kann: In Zürich ist es Abhängigen seit Jahren erlaubt, Drogen untereinander auszutauschen oder zu verkaufen – flankiert von einem breiten Hilfs- und Kontrollsystem.
Offene Fragen für Köln
Wie die Stadt Köln künftig mit der Situation am Neumarkt umgehen wird, bleibt offen. Klar ist jedoch: Das Thema wird Politik, Polizei und Anwohner weiterhin beschäftigen.





