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KoKo bekommt ein Zuhause im Netz: Traditionsmarke startet unter koko1938.de

20 September 2026 von Darian Lambert

Fast hundert Jahre Geschichte, ein gewonnener Markenstreit gegen Chanel und ein Duft, den in Ostdeutschland Generationen sofort wiedererkennen: KoKo ist zurück – und hat ab sofort eine eigene Webseite. Unter koko1938.de erzählt der Bergisch Gladbacher Unternehmer Frank Samirae die Geschichte des Erfrischungsmittels erstmals vollständig und verlinkt direkt auf den Verkauf.

Geboren aus dem Mangel

Die Geschichte beginnt 1938 in Erfurt. Die Gebrüder Strasser entwickeln ein Erfrischungs-, Belebungs- und Anregungsmittel – entstanden aus der Not heraus, als sich die Versorgungslücken des Zweiten Weltkriegs im Alltag immer deutlicher bemerkbar machen. Das historische Werbeplakat jener Jahre wirbt selbstbewusst mit dem Wort „altbewährt“, und genau das wird KoKo in den folgenden Jahrzehnten auch.

In der DDR ist das Fläschchen fester Bestandteil von Drogerien und Apotheken. Hergestellt wird es in einer kleinen Fabrik in der Erfurter Liebknechtstraße. 1956 erfolgt die offizielle Registrierung beim VEB Deutsches Hydrierwerk Rodleben in Roßlau. Ein Hauch auf die Schläfen, in den Nacken oder unter die Nase – KoKo gehört zum Alltag wie die Kaufhalle an der Ecke.

Als der Kommissar für KoKo warb

Den endgültigen Bekanntheitsschub bringt das Fernsehen: Peter Borgelt, dem Publikum als Kommissar aus dem „Polizeiruf 110″ vertraut, wirbt im DDR-Fernsehen für das Produkt. KoKo wird zu einer der bekanntesten Marken im Osten Deutschlands.

Nach der Wiedervereinigung dreht sich der Wind. Das Erfrischungsmittel verschwindet nach und nach aus den Regalen, der Markt sortiert es aus. 2001 fällt der Schlussstrich: Die Marke wird beim Deutschen Patent- und Markenamt gelöscht. Was bleibt, wandert unter Liebhabern von Hand zu Hand – Restbestände, Sammlerstücke, Erinnerungen.

Eine Vorlesung, ein Opa und eine fixe Idee

Dass die Geschichte hier nicht endet, hat mit einem Rheinländer zu tun. Frank Samirae kennt KoKo aus den Erzählungen seines Großvaters, der das Fläschchen einst aus der DDR mitgebracht hatte. Zu Stundentenzeiten erfährt er in einer Vorlesung zum Markenrecht beiläufig, dass die Marke abgemeldet worden ist. Geld hat er damals keines – die Idee aber lässt ihn nicht mehr los.

Fast fünfzehn Jahre später, mitten in der Corona-Pandemie 2020, macht er ernst. Seine IT-Firma stellt damals auf die Produktion von Desinfektionsmitteln um, und beim Arbeiten fällt ihm die Parallele auf: Auch die Gebrüder Strasser hatten KoKo in einer Krise entwickelt. Gemeinsam mit seinem Team und Fachleuten analysiert Samirae die ursprüngliche Zusammensetzung und stellt sie in altbewährter Form wieder her – Ethanol, Minzöl, Menthol, Anisöl. Wochenlange Recherche, Tests, Nachjustieren. Dann steht die Rezeptur.

David gegen Goliath

Die schwierigste Hürde ist am Ende nicht die Chemie, sondern das Markenrecht. Gegen die Neuanmeldung beim DPMA legt ausgerechnet der französische Luxuskonzern Chanel Widerspruch ein – wegen angeblicher Verwechslungsgefahr mit „Coco Chanel“. In der ersten Runde hat Chanel Erfolg.

Mit Unterstützung des Kölner Markenrechtsanwalts Dr. Lucas Brost führt Samirae den Streit weiter, mit zwei Argumenten: KoKo ist ein eigenständiger Fantasiename, und KoKo ist ein Stück deutsche Geschichte, das es zu bewahren gilt. Das Bundespatentgericht folgt dieser Auffassung, Chanel zieht den Widerspruch zurück. Der Name gehört wieder dorthin, wo er seit 1938 hingehört.

Die Webseite: die ganze Geschichte auf einen Blick

Seit Dezember 2025 ist die erste Serie der Neuauflage online erhältlich. Was bislang fehlte, war ein eigener Ort im Netz. Den gibt es ab heute: koko1938.de.

Die Seite führt durch die komplette Chronik in fünf Stationen – von Erfurt 1938 über die Registrierung 1956 und die Markenlöschung 2001 bis zur Wiederentdeckung und der heutigen Neuauflage. Zu sehen sind das historische Werbeplakat der Gebrüder Strasser, Illustrationen aus dem KoKo-Faltblatt im Stil der Fünfzigerjahre und die neue Bildwelt zwischen Schnee, Eis und frostiger Minze. Dazu kommen alle Produktdetails, Anwendungs- und Sicherheitshinweise, häufige Fragen und ein direkter Weg zum Angebot.

Technisch bewusst schlank gehalten: keine Cookies, kein Tracking, kein Einwilligungsbanner. Wer möchte, schaltet per Klick die Hintergrundmusik zu – stummgeschaltet ist sie standardmäßig.

So kommt man an KoKo

Die Neuauflage kommt in einer handlichen Aluminium-Sprühflasche mit Pumpzerstäuber, 50 ml, hergestellt in Deutschland – damals Erfurt, heute Monheim am Rhein. Das Etikett greift das historische Design auf: schwarze Wortmarke auf kräftigem Gelb, fein gezeichnete Minzblätter.

Der Verkauf läuft weiterhin über eBay, Versand bundesweit per DHL. Der Preis liegt bei 19,99 Euro inklusive Mehrwertsteuer, zuzüglich Versandkosten – das entspricht einem Grundpreis von 39,98 Euro je 100 Milliliter. Der Kauf-Button auf koko1938.de führt direkt zum Angebot.

Für 2026 ist der nächste Schritt geplant: KoKo soll schrittweise in den stationären Handel, in Lifestyle-Shops, ausgewählte Parfümerien und Concept Stores. Nicht als Nostalgie-Nische, sondern als eigenständige Marke mit Charakter.


KoKo auf einen Blick
Traditionsmarke seit 1938, entwickelt in Erfurt von den Gebrüdern Strasser · 1956 beim VEB Deutsches Hydrierwerk Rodleben registriert · 2001 beim DPMA gelöscht · seit 2020 von Frank Samirae rekonstruiert und neu angemeldet · 50 ml Sprühflasche, 19,99 Euro inkl. MwSt. (39,98 Euro / 100 ml), zzgl. Versand · Webseite: koko1938.de

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